3 Trailtage im Engadin

Und wieder locken die südlichen Alpen mit Sonnenschein...das Engadin wird Stützpunkt für Freitag bis Sonntag.

 

Doch bereits nach 10 Minuten auf dem Panoramaweg hinab von Mouttas Muragl verhasple ich mich mit den neuen Schuhen, ein Kapitalsturz ist die Folge. Beide Knie blutüberströmt, die Schulter schmerzt, aufgeschürft, die Handflächen taub. Ein toller Start! Ich besinne mich meiner Kindheitstage zurück, schon lange her, dass ich das letzte Mal solche Schürfwunden an den Knie hatte...

 

Es geht leicht bergab, ein Höhenweg par excellence. Aussicht so weit das Auge reicht. Einfach überwältigend. Der Palü und die Bernina im Hintergrund, riessige Gletscher wälzen sich bis in den Talgrund, davor sanftes Grün gepaart mit Grautönen. Zirben säumen den Weg, wir werden vom Pfeiffen der Murmelixe begleitet. Flüssig leicht rennen wir über weichen Untergrund, springen von Stein zu Stein, kleine Bächlein von der Schneeschmelze sickern ruhig vor sich hin.

 

Bei der Cna. Paradis rasten wir zum ersten Mal ausgiebigst, endlich darf die Konzentration nachlassen und unser Auge schweift in die Ferne, bewundert die unglaublich schöne Natur.

 

 

Mit den Engadiner Bergbahnen lassen sich easy perfekte Trailrunninggebiete erschliessen und diese gibts sogar gratis ab 2 Nächtigungen, inklusive Benutzung Bus und Rhätische Bahn. Die Signalbahn von St. Moritz Bad befördert uns in Sekunden hinauf zu den weiten Südhängen des Piz Nair. Trail an Trail mit den Bikern schlängeln wir uns fortan zur Bergstation Corviglia. Steile Serpentinen werden von lieblichen Graspolstern umgeben, ein markanter Felssturz komplettiert die Landschaft. Diesmal treffen wir sogar auf einen einzelnen Läufer, sowie eine 3er Gruppe! Witzig, wie man sich freut auf Gleichgesinnte zu treffen!

 

Ein kühler Wind begleitet uns beim Downhill nach Marguns hinab, so dass wir nicht heiss laufen. Wassertanken und weiter gehts über die Alp Clavadatsch mit prächtigem Panoramablick auf unsere Laufstrecken von gestern. Die heutige Seite wird vom Kalkgestein und seiner speziellen Vegetation geprägt, es fliesst viel weniger Wasser, aber nicht minder interessant.

 

Wir tauchen ein in ein einsames Tälchen, das Valletta da Bever. Steil und schmal mit wilden Hängen rechts und links, grün so weit das Auge reicht. Und saftig, es rinnt das Wasser wieder. Die kleinen Rinnsale vereinen sich und kreuzen den Trail mehrmals, was zu spannenden Sprüngen und Traversen führt. Es rauscht, kluckert, tropft, plätschert, wir fühlen uns mitten in einer Urlandschaft ausgesetzt. Schliesslich erreichen wir trockenen Boden, welcher von unzähligen Lärchennadeln verziert wird. Immer noch steil verlassen wir den Wasserlauf und donnern die letzten Serpentinen im Lärchenwald hinunter zur Alp Spinas, wo uns die Rhätische Bahn nach St. Moritz zurück befördert.

 

Auf der Nordseite wartet der Corvatsch, noch schneebedeckt, dafür mit herrlicher Aussicht auf das Dreigestirn Morteratsch, Bernina und Roseg. Ein krasser Gegensatz fürs Auge, weiss und schwarz, dazu gesellt sich der stahlblaue Himmel. Es ist merklich kälter, doch spenden uns die Sonnenstrahlen die nötige Wärme um im kurzen Laufgewand dem Temperatursturz zu trotzen.

 

Wieder bei der Mittelstation angekommen müssen wir die ersten hundert Höhenmeter noch im Schnee überwinden. Bis zu den Knien brechen wir bei jedem zweiten Schritt ein. Doch die Strapazen lohnen sich, der Trail formiert sich weiter unten zu einem makellosen Weg: schmal, durchsetzt mit kleinen Stufen und Steinen, Grasbüschen, daneben plätschert munter Wasser, blaue, gelbe, rote Blümchen schmücken den Wegesrand.

 

Wir treffen auf etliche Bergseen, die zum Verweilen einladen. Ihr eisiges Wasser weckt wieder unsere Lebensgeister nach 3 Tagen Laufen. Die Wadln sind mittlerweile hart und schwer wie Blei, meine Schürfwunden melden sich bei jedem Schritt zu Wort. Doch die Natur hält genügend Doping für uns bereit: Panorama, das Rauschen des Wassers und das Spüren der wärmenden Sonnenstrahlen im eisigen Wind lassen Müdigkeit und Erschöpfung im Nu verfliegen.

 

 

Ich sitze am Steuer, Stau bei einer Baustelle lässt mich tief in Gedanken versinken. Ich erinnere mich der wundervollen Stunden in den Engadiner Bergen, denke an das Arvenzimmer und dessen feinen Duft beim Einschlafen, spüre nochmals die regenerierende Wirkung des Wellnessbereichs im Hotel Edelweiss. Ich atme reine Luft, schnaufe kräftig wie eine Dampflock bei den Anstiegen, registriere, wie der Sauerstoff meine Muskeln flutet und mit Energie versorgt. Luftig, locker, leicht...so in Gedanken ist das Laufen gar nicht so schwer...

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