Trail- und Scramblingkombi Pilatus

Was liegt näher, als ein Paar Kletterpatschen in den Trailrucksack zu packen und sich treiben zu lassen? Der Weg ist das Ziel, auch wenn bereits gewisse Vorstellungen von einem Trail- und Scramblingtag mein Hirn zusammengefügt hat. Die Galtigentürme 1-4 bieten sich für solch ein Unternehmen bestens an, sie weisen festen Fels und homogene Schwierigkeiten auf, die Wegfindung ist besonders einfach und man kann jederzeit aussteigen. Also ideale Bedingungen, um entspannt loszuziehen.

 

Ich geniesse die noch kühleren Morgenstunden des herrlichen Tages und trabe flotten Schrittes von der Bahnstation Alpnachstad die Serpentinen hinauf bis nach Ämsigen. Den Schweiss treibts mir bereits aus allen Poren heraus trotz des schattenspendenden Laubwaldes und meine Wasserration neigt sich jetzt schon dem Ende zu. Kuhglockengebimmel begleitet mich auf meinem Weg hinauf zur Mattalp.

 

Hier überblicke ich erstmals mein Vorhaben. Die Mattalpplatten schauen schon sehr verlockend aus, wunderschöne geneigte Wasserrillenplatten. Am Ende sehe ich bereits eine Seilschaft sich durch die Latschen kämpfen. Ich warte, bis sie aus meinem Blickfeld verschwinden, warte auch bis die Zahnradbahn vorbei ist. Niemand brauch mich beobachten, ich möchte mit mir alleine sein. Nur ich und die 70m rauhen Kalkplatten. Ein letzter Blick ins Topo, die Kletterpatschen abgewischt und schon tauche ich konzentriert in die erste Länge hinein. 

 

Die Reibung ist perfekt und gibt mir Vertrauen. Der griffige Fels trägt mich gleichmässig höher. Tritt um Tritt, immer flüssiger, ich lasse mich nicht von den Bohrhaken ablenken, suche mir meinen eigenen Weg. Stetig gewinne ich an Höhe, breite Standplätze lassen mich durchatmen und verschnaufen. Der Puls lässt nach, doch die Konzentration bleibt beim Maximum. Das ungewohnte Gefühl so frei zu klettern wirkt anfangs zwar hemmend, doch fördert es auch die Konzentration, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Vieles schwirrt mir am Standplatz durch den Kopf, ich höre andere sagen "das ist doch so gefährlich" oder "bist du Lebensmüde"? Nein bin ich nicht, ganz im Gegenteil, eigentlich fühle ich nur Freude beim leichtfüssigen Höhersteigen. Genuss, im Fluss Bewegungen ausführen, voller Kontrolle und Konzentration. Ein sehr befriedigendes und befreiendes Gefühl.

 

Am Ende der Platten warten Latschen und steile Schrofen, welche zum ersten Galtigenturm führen. Die Seilschaft lässt mich passieren und so starte ich in den festen, flachen Grat hinein. Immer wieder bleibe ich stehen um die Aussicht zu geniessen, einfach nur genial. So schwinden Seillänge um Seillänge unter meinen Händen dahin, eine Querung im steilen Grasgürtel bringt mich zum nächsten Aufschwung. Mittlerweile habe ich mich an das freie Klettern gewöhnt, ich steige dort, wo es mir gefällt. Kurze steilere Passagen werden wieder von leichten Schrofen abgelöst.

 

Dann der letzte Aufschwung, eine steile Verschneidung führt in 2 Seillängen bis hinauf auf den 4. Turm. Hier ist wirklich Klettern angesagt, die Tiefe saugt, doch der feste, abgekletterte Fels lässt keine Panik aufkommen. Meine Kletterzüge sind gut überlegt, der Fels wird auf seine Festigkeit lieber 2mal überprüft. Schon lange her, dass ich das letzte Mal in solch Gelände alleine unterwegs war, doch das Vertrauen ins eigene Kletterkönnen bestärkt mich und wirkt beruhigend.

 

Nun liegt der Pilatus (Esel) vor mir, ich steige am Grat höher und höher, passiere 2 kleine Kreuze, bis das Gelände mir zu heikel wird. Das ist das schöne, ich kann entscheiden, niemand gibt mir etwas vor oder überredet mich. So dann steige ich über Schrofen zum Pfad zurück und setze meinen Weg zum Pilatus auf diesem weiter fort. Die heisse Mittagssonne brennt und treibt meinen Durst ins Unermessliche. Wasser habe ich schon lange nicht mehr, nur eine trockene Gurgel...

 

Reges Treiben am Gipfel, die üblichen Touristen, ich stürze zu aller Erst in die Toilettenräume und lösche meine durstige Kehle mit kaltem Wasser. Dann entscheide ich mich noch hinüber auf den Mattstock zu laufen, dort herrscht Stille. Ruhe, Einsamkeit kehrt ein. Ein grandioses Gipfelpanorama nur für mich. Die letzten Isostar Riegel verschwinden im Magen, ein Gipfelbucheintrag, ein Nickerchen. Ich lausche dem Surren des milden Windes, geniesse die Sonnenstrahlen auf der Haut, höre den Insekten zu...

 

 

 

 

 

 

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