Matterhorn Ultraks 46K

Mein Trailhighlight des Sommers sollte er werden, der Ultraks 46K. Und tatsächlich, nach zweifelhaften Testläufen (Boykott veränderte Aletschhalbmarathonstrecke, Absage Eigertrail wegen Fieber, etc.) erreichte ich um kurz vor 15 Uhr am Samstag die Ziellinie in Zermatt, pünktlich zur Siegerehrung der grossen Helden des Laufes.

 

Wahnsinn, ich hatte es geschafft, doch vielmehr, als nur die blosse Tatsache das Ziel erreicht zu haben, begeisterte mich mein Gesundheitszustand auf der Strecke. Lange hatte ich den Sommer mit dem bekannten "Runnersknie" zu kämpfen, immer und immer wieder holte mich der stechende Schmerz bei längeren Ausflügen ein, besonders bergab. Dabei liebe ich den Downhill, die Belohnung für alle Mühen bergauf!

 

Doch diesmal durfte ich ohne Wehwehchen laufen, ein tolles Gefühl! Bereits nach dem ersten Verpflegungsstopp liege ich ein klein wenig vor meinen Erwartungen in der Zeit. Die Beine funktionieren, jeder Schritt fühlt sich leichtfüssig und locker an, es macht einfach nur Spass so früh am Morgen unterwegs zu sein. Die kühle, frische Luft, das grandiose Panorama mit dem im Morgenlicht rotgefärbten Matterhorn im Hintergrund. Stille, spiegelnde, kleine Bergseen passieren wir, bevor es lang und steil zum Gornergrat empor geht.

 

Doch auch bei dieser Etappe, nie verzieht es mir das Gesicht, ich habe Luft und geniesse das rhythmische Atmen im Gleichtakt von Stockaufsatz und Vortrieb der Füsse. Am Gornergrat angekommen verschlägt es mir dann kurzzeitig den Atem, aber nicht der Anstrengung wegen, sonder ob des umwerfenden Gletscherbildes, das sich mir zeigt. Monterosa, Lyskamm, Breithorn, mit ihren zerrissenen Gletschern, umwoben von bizarren Wölkchen, Schatten und Sonnenstrahlen wechseln einander ab. Ich sauge den Augenblick ein, konserviere ihn in meinen Speicherzellen des Gehirns.

 

Ein lockerer, aber langer Downhill folgt zur nächsten Verpflegungsstation, wieder bin ich überrascht, wie viel Zeit ich gut gemacht habe (zu meinen Erwartungen). Daher gönne ich mir eine angenehme Rast zum Auffüllen der Ressourcen, leckere Mangoriegel, getrocknete Aprikosen, aufgeschnittene Bananen, alle wandern sie in meinen Magen; Energiegetränke und Wasser in die Bidons. Ich fühle mich noch immer locker, ohne Knieschmerzen, wahnsinn! Ich bin begeistert!

 

In meinem Hoch der Gefühle laufe ich weiter, ab nun begleiten uns auch die 30K'ler. Es wird wärmer, die Sonnenstrahlen erhitzen nicht nur die Landschaft, auch uns machen sie beim Anstieg zum Schwarzsee ordentlich zu schaffen. Tonnen von Schweissperlen rollen über unsere nassen Körper zu Boden. Bis kurz unter dem höchsten Punkt am Schwarzsee böige Winde der Schwitzerei ein Ende machen. Schon von Weitem höre ich Anfeuerungsrufe, sie gelten zwar nicht im Speziellen mir, sondern meinem Verfolger hinter mir, doch sie beflügeln. Denn die letzten Meter hinauf zum Schwarzsee sind doch kräftezehrend.

 

Wieder gönne ich mir eine angemessene Pause beim Verpflegungsposten, trinke Cola, stopfe Bananen, Riegel udn Co. in mich hinein, spüle einen Bouillon hinterher. Ein interessantes Energie- und Mineralienensamble, doch meinen Saumagen wirds wohl nicht umwerfen...

 

In einer 5er-Truppe rasen wir den Downhill nach Staffel hinunter. Super geil, einer vorne, die anderen in Reih und Glied hinterher. Dann wird der erste abgewechselt, die Truppe folgt, bis sich die Spreu vom Weizen trennt, ähh sorry, die 30er von den 46ern.

 

Wir ziehen alleine weiter, in gewissen Abständen. Der Anstieg hinauf zum Höhenweg hinüber zum Hotel Trift wird hart werden. Das weiss ich schon von letztem Jahr, als wir zum Biwak für das Obergabelhorn denselben Weg einschlugen. Doch diesmal fühlt es sich trotz der 30km in den Beinen besser an, mein Blick schweift ständig zur Matterhorn Nordwand hinüber. (Anmerkung: Roli, du bisch a Wahnsinn! Der Hund krallt do solo durch!). Viele haben mit diesen Höhenmetern zu kämpfen, ich motiviere sie mit einem "allez, allez" und nehme sie auf die Reise weiter mit.

 

Wir wechseln die Positionen, in den flachen Abschnitten, die wunderbar trailig zum Laufen wären, überholen sie mich die flotten Burschen, in den steileren Passagen, sitze ich ihnen wieder auf den Fersen. Langsam merke ich die vielen Kilometer, ungewohnt für mich. Müde Beine, aber nur wenns zum Laufen ist, bergauf mit meinen Stöcken arbeiten die unermüdbaren Arme und die kräftigen Schenkel (für irgendwas müssen sie ja gut sein;-))

 

Ab dem Downhill zum Hotel Trift schalten sich nun die mir bekannten Kniebeschwerden ein, doch mir ist's egal, 40 Kilometer ohne Beschwerden, das gabs noch nie, ich bin mehr als zufrieden! Überglücklich, um nicht zu untertreiben. Und der Regen hat auch noch nicht eingesetzt.

 

Erst beim allerletzten Anstieg nach dem Verpflegungsposten Trift, fängt es zu donnern an, graue, düstere Wolken hängen bereits um das Zinalrothorn. Einzelne Regentropfen drückt es aus ihnen heraus, doch die Anstrengung lässt noch kein Frieren aufkommen. Ich muss das Tempo bergab stark zurückschrauben, nehme mit den Stöcken soviel Impact wie möglich raus. Es kostet mir viel Zeit, doch egal. Ich bin jetzt schon mehr als zufrieden. Einige Männer überholen mich, die ich vorher bei den Uphills stehen hab lassen, von Frauen weit und breit keine Spur, seit dem Gornergrat bin ich auf keine aus meinem 46K mehr gestossen. Zum ersten mal schiesst es mir durch den Kopf: Wo ich mich wohl befinde?

 

Mit den letzten Metern in strömenden Regen, aber klatschenden Zuschauern, steigt noch einmal die Motivation, der finale Zielliniensprint gehört einfach dazu. Erleichterung, Freude, Stolz, ein Lächeln über beide Ohren. 

 

Durchnässt und erschöpft schreite ich hinüber zur Siegerehrung, suche mir ein halbwegs trockenes Plätzchen.  Meine "Stars" neben mir und dann auf dem Podium stehend, Emelie und Kilian. Respekt, endlich kann ich eure Leistung einordnen, da ich denselben Weg zurückgelegt habe. Noch in Gedanken, um wieviel mehr Training und Talent es bedarf, um solche Zeiten zu erzielen, treffe ich auf Christoph. Wir gönnen uns eine heisse Dusche, Pasta und Raclette. Und freuen uns miteinander für den anderen, für seine tolle Leistung. Für Christoph war es sein weitester Lauf bisher, für mich der mit den meisten Höhenmetern.

 

Die Strecke war wunderschön, genau nach meinem Geschmack: nur verschwindend wenig Forstweg- und Asphaltanteil, dafür Singletrails ohne Ende, Panoramatrails und viele lange Anstiege! Dazu die 4000er drumherum und eine perfekt markierte Strecke!

 

Das grosse Sommerziel erreicht, Stärken und Schwächen erkannt, neue Herausforderungen können kommen:-)

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Kommentare: 1
  • #1

    Fabian (Montag, 26 August 2013 22:49)

    Gratuliere! Was für eine super Leistung!

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