Trail Verbier St. Bernard x-Alpine

Patrick berichtet:

 

Der Trail Verbier Saint Bernard X-Alpine versprach viel, jedoch scheiterte er an einem seit etwa 2 Jahren verbreiteten Irrglauben. Man plane eine ultimative Strecke und lege möglichst viele Läufe darauf.

Aber beginnen wir am Anfang. Im Rahmen meines Projektes «Trailwochen – 5 Ultras in 5 Wochen), stand am 12. Juli der nächste Ultra an. Der Zermatt Ultra Marathon wie auch der Zugspitz Ultralauf und der dazwischen geschobene Trainings-Marathon in Graubünden, konnte ich gut wegstecken. Frisch und motiviert reisten wir ein paar Tage früher nach Verbier um die Landschaft und den Spirit etwas zu geniessen. Leider spielte das Wetter nicht mit und so regnete und schneite es ununterbrochen aus den tiefen Wolken heraus. Der Nebel hauchte die ganze Landschaft in ein zartes und nasses Gewand.

Im Dorf Verbier stellten wir schnell fest, dass man hier auf Winter setzt und so waren einige Restaurants mit dem Hinweis, Geschlossen bis November, bestückt. In den Sportgeschäften war von Trailrunning auch nichts zu spüren und so musste ich für meine planerische Unfähigkeit, keinen Alternativschuh mitgenommen, in eine grössere Stadt gehen.

Die Tage bis zum Wettkampf verbrachte ich mit Wandern im Nebel und dem Besuch von Martigny und Sion, mit der Absicht meinen Trailschuh zu finden. In Sion entdeckten ich dann per Zufall ein Sportgeschäft, welches mein Herz höher schlagen liess. Bei http://ncsports.ch/ fand ich ein Sortiment, welches alle meine Bedürfnisse als Trailrunner erfüllte und wenn ich in Sion wohnen würde, dies meine 1. Adresse wäre.

Nun gesellt sich also noch ein S-LAB SENSE ULTRA 3 SG zu meiner «kleinen» Schuhfamilie und er hatte dann auch am Wochenende gleich seinen ersten Einsatz. Jetzt sagen sich viele erfahrende Läufer: Was einen neuen Schuh auf einen über 100 Kilometerlauf? Stimmt, dass kann und darf man nur machen wenn man entweder das Modell und/oder seine Füsse kennt. Bei mir trifft Beides zu, obwohl manchmal sich meine Füsse fragen ob der Kopf da oben noch richtig tickt.

Am Freitag, ein Tag vor dem Wettkampf, stieg dann der Puls langsam an und mit der Abholung der Startnummer wechselte ich die Wettkampflaune. Die Startnummerausgabe und die Materialkontrolle (Pflichtmaterial) war gut organisiert und äusserst genau. Ein Läufer hinter mir in der Reihe, hatte seine Trinkflaschen nicht dabei und da ich mit 3 Liter anstelle von 1 Liter ausgestattet war, überliess ich ihm für die Kontrolle meine Flaschen.

Der heftige und andauernde Regen führten leider dazu, dass der 1. richtige Aufstieg auf den La Catogne und den Weg über die Breya, aus Sicherheitsgründen ausgelassen werden mussten. Diese Information wurde per SMS zugestellt und war auch auf der Website auf französisch und englisch ersichtlich. Leider ging dort die deutsche Übersetzung vergessen und so stellte sich heraus dass es Läufer gab, welche um 1 oder 4 Uhr an den Start gingen und nichts vom verschobenen Start auf 5 Uhr wussten.

Am Samstag um 5 Uhr war es dann soweit und nach dem wir unseren Dropbag für Bourg St. Pierre (~ 80 km) im Bus abgaben, reihten wir uns bewusst vorne im Startfeld ein. Bei meiner Erkundung vor ein paar Tagen stellte ich fest, dass es rasch in einen Single-Trail geht wo ein Überholen nicht gut möglich ist und somit man besser vorne läuft. Das Briefing fand dann in 3 Sprachen (fr/en/de) statt, wovon nur 2/3 auf Deutsch übersetzt wurde und ich froh war den Rest aus dem Französischen und Englischen entnehmen zu können.

Wie erwartet war das Tempo durch Verbier dann auch ziemlich flott und so ein Kaltstart am Morgen vertreibt ja bekanntlich auch alle Sorgen. Also liefen wir die ersten 2 Kilometer mit einem guten 4er Schnitt und ich war froh als die Strasse endlich in einen Trail überging. Von Verbier aus führte die Strecke über eine Anhöhung (~ 300m) nach Sembrancher, somit ein Downhill über 10 km von 1760 m auf 714 m. Die Verdauung forderte bei mir noch eine kurze Pause und so musste ich vor Sembrancher kurz Austreten. Nach einer kleinen Dorfrunde war der 1. Verpflegungsposten in 1:23 h als 47. erreicht. Rasch den Trinkbecher hervor geholt, mit Orangen und Schokolade verpflegt und schon ging es weiter um den La Catogne herum anstelle darüber nach Champex. Der Weg führte über Feldwege, Trails und am Schluss Asphalt nach Champex hoch. Bis zu diesem Zeitpunkt war knapp ein Halbmarathon in 2:40 h mit gut +1200 m gelaufen und ich erreichte als 48. den Verpflegungsposten. Bei einem solchen Projekt wo man jedes Wochenende einen Ultra läuft, muss man sich immer wieder im Wettkampf bremsen und die Versuchung ist gross mehr Tempo zu machen. Nach der Verpflegung stand der Aufstieg zum höchsten Punkt der Orny-Hütte 2826 m an und dieser führte am Anfang durch Trails im Wald welche später von sandigen und gerölligen Trails abgelöst wurden. Genau in solchen Momenten merke und spüre ich weshalb mir Trailrunning so viel Spass macht. Bis zur Orny-Hütte und somit auch zum Wendepunkt war es Trailrunning pur. In der Hütte nach 5 h angekommen als 52., musste ich auch hier zum 2. Mal das stille Örtchen besuchen. Zum Glück ist die Hütte top ausgestattet und so konnte ich frisch gestärkt und erleichtert die obligatorischen Fotos von der Hütte und dem Steinbock machen. Der Abstieg von 2826 m nach Saleinaz (1187 m) war traumhaft und ich konnte mich nicht mehr zurückhalten und rannte im Flow wie ein junger Steinbock herunter. Hüpfend von Stein zu Stein liess ich einige Läuferinnen und Läufer hinter mir und auch mein Laufpartner (Timon) war kurze Zeit nicht mehr sichtbar. Kurz vor Saleinaz nahm ich dann wieder Tempo heraus und machte auch ein paar kleinere Trinkpausen. Auf den letzten Meter des Abstiegs schloss dann auch Timon wieder zu mir auf und wir flowten weiter hinunter. Während des ganzen Temporausch hatte ich alles unter Kontrolle und kaum ging es wieder langsamer, verlor ich in einer Kletterpartie den Halt und schlug hart auf den Steinen auf. Glücklicherweise zog ich mir keine schlimmere Verletzung zu und so ging es weiter nach La Fouly. Unterwegs melde meine Uhr das der Akku schwach ist und somit wurde diese kurzer Hand an das mobile Power-Akkupack angeschlossen. Nach 7:29 h und 42.5 km erreichte ich als 74. den Verpflegungsposten. Dort wurde zuerst ich versorgte mit Orangen, Wurst, Schokolade und danach meine Ausrüstung wieder hergerichtet (Akku entfernen, SMS schreiben usw.). Der Aufstieg zum Col de Fenêtre 11,3 km/+1285 m war lange und im Dauerregen, welcher später einsetzte, irgendwie einsam. Einigen Läufer sah man den Kampf mit sich an und ich war froh, dass es mir mental wie auch körperlich so gut lief. Nach der Überquerung der letzten Schneefelder im Aufstieg erreichte ich als 88. den Pass. Timon und ich waren froh endlich oben zu sein und wir spürten, dass unsere Körper nicht mehr ganz frisch waren und die Vorwochen ihre Spuren hinterliessen. Die Fotos wurden unterwegs gemacht und so durfte auch das Bild mit den Wegweisern nicht fehlen. Der Abstieg zum Col. Grand Saint Bernard führte wieder über Schneefelder und war schnell hinter uns gebracht. Der anschliessende Aufstieg zum Col des Chevaux war verhältnismässig kurz und so stürzten wir uns in den erneuten Downhill nach Bourg St. Pierre, 89. Zwischenrang. In Bourg St. Pierre war der grösste Posten und somit bestand auch die Möglichkeit seine Ausrüstung zu wechseln. Ich entschloss mich meine Ausrüstung komplett zu wechseln, da diese durchnässt und auch nicht mehr ganz so frisch war. Also einmal komplett neu, inklusive Schuhe und dann wurde verpflegt. Timon überliess mir eine leckere kleine Calzone, danke nochmals dafür, und hinterher wurde ein Teller Spaghetti verdrückt. Zum Glück wussten wir nicht welche Schlammschlacht uns bevorsteht, ansonsten wären wir nicht so motiviert losgelaufen. Die Trails waren nicht mehr laufbar und so musste man entweder am Rand oder abseits des Trails seinen Weg suchen. Dazu sorgte der Regen und der Wind wie auch die tieferen Temperaturen, dass man sich nicht wirklich wohl fühlte. Der Tag begann sich zu verabschieden und so kam meine Lupine zu ihrem 2. Einsatz nach dem Start. Der Posten auf dem Mille (2480 m) war hinter der Hütte versteckt und so liefen wir zuerst in die Hütte hinein. Dort zog ich im Vorraum die Schuhe aus, bevor ich die Hütte betrat. In der Hütte hatte es einige Gäste und ein paar Läufer welche in Wolldecken um ein Feuer sassen. Irgendwie fühlte ich mich nicht willkommen und so beschlossen wir die Hütte wieder zu verlassen. Kurz vor dem Hinausgehen wurden wir fragt ob wir schon am Checkpoint waren und erklärte dass dieser gleich rechts neben der Hütte sei. Dieser Checkpoint war in einem ungeheizten Anbau der Hütte und wie ich später feststellte wurde dieser Checkpoint vom 1 und 2 Platzierten ausgelassen. Da es echt kalt war wollten wir rasch hinunter und leider liefen wir zuerst eine paar Meter auf dem falschen Weg hinunter. Da der Weg so wunderbar zu laufen war und auch keine Markierung mehr kam – welche leider rot/weiss war wie die Markierung der Wanderwege, zückte ich erneut mein iPhone und die App «MapOut» bestätigte den Fehler. Also ging es wieder zurück hoch und oben stellten wir fest, dass wir nicht die einzigen waren welche den Weg nicht fanden. In der Hütte wurde ein Helfer gefragt welcher uns den Weg zeigte. In der Hoffnung dass es endlich runter geht, kämpften wir uns Meter für Meter durch den Schlamm und leider ging es etwa 5 Kilometer auf- und abwärts bevor es endlich unter 2000 Meter ging. Die vielen Überquerungen von Bächen und das stetige Schlammlaufen liess unsere Stimmung immer mehr sinken und so hatte ich erneut Glück als ich ein Schlammbad nahm. Ich glaube so langsam wie in diesem Abschnitt war ich noch nie unterwegs und anscheinend gab es nur wenige die sich trauten etwas flotter zu laufen. Auf dem Mille war ich noch 83. und in Lourtier 87. Kurz vor Lourtier schloss Guido zu uns auf und wir tauschten noch ein paar Erfahrungen aus. Ihm war einer seiner Stöcke gebrochen und während des ganzen Rennen habe ich noch weitere Überbleibsel von Stöcken gefunden oder Läufer mit verbogenen Stöcken angetroffen. In Lourtier entschloss ich mich meine langen Überziehhosen anzuziehen und nach der letzten Stärkung ging es zum letzten Aufstieg von 1074 m auf 2266 m nach La Chaux. Leider lief Timon in dieser Phase in der Reserve der Reserve und so halfen ihm auch meine beiden Shots nicht mehr, welche ich ihm überliess und wir mussten uns Schritt für Schritt hocharbeiten. Der Aufstieg kam uns unendlich lange vor und wir brauchten knapp 3 h für diese 6,3 Kilometer, 73. Zwischenrang. Einmal noch kurz verpflegt und auch hier mussten wir nach dem Weg fragen da dieser nicht klar ersichtlich war. Der Abstieg auf Verbier führte nochmals 4 km durch schlammüberzogene Wege und forderte dementsprechende seine Zeit. Die letzten 2 km führten auf Feldwegen ins Dorf und somit ins ersehnte Ziel. Als 74. erreichte ich das Ziel und der Empfang war um 06:38 entsprechend ruhig. Glücklich unverletzt angekommen zu sein und auch traurig das eine solch schöne Strecke unter der Belastung der Läufer nicht standhielt – hier hätte das OK reagieren müssen – hiess es den Dropbag zu schnappen und ab unter die Dusche. Der Dropbag kam übrigens 5 Minunten nach uns in Ziel. Im Hotelzimmer wurde ich dann freundlich begrüsst und nach der Dusche wollte natürlich Vulpin auf seine Morgenrunde. Zurück ging es dann zum Frühstück und dann 1 h Powernap. Anschliessend hiess es mit dem Auto zurück nach Hause, da am Montag ja die Arbeit rief.

Fazit von Verbier

Zustand: Finisher
Rangord.: 74
Rangord. V1 H: 23

Laufzeit: 25:36:15

 

Der Irontrail wird der letzte Lauf sein an welchem ich teilnehmen werde, bei welchem auf der Ultra-Strecke auch verkürzte Laufe angeboten werden. Wie man es besser macht sieht man am Eiger Ultra Trail, bei welchem die verkürzten Läufe am Anfang auf der Strecke sind und nicht am Schluss.

Und noch ein paar Bilder von Patrick und Timon:

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