Limone Extreme Skyrun

das grosse Finale der Skyrunner World Series

Zum Saisonabschluss fuhren Harry und Patricia nochmals Richtung Süden, genauer gesagt nach Limone an das Westufer des Gardasees. 

Einen super Überblick über die Rennstrecke könnt ihr euch auf den Blog-Seiten von Robert holen, er war mit seiner Fotoausrüstung auf den Strecken des Vertical und des Skyrace unterwegs.




Patricia berichtet:


Wer das Örtchen und seine Lage kennt, der kann bereits erahnen, dass das Rennen steil sein muss. Fast senkrecht pfeiffen die Kalkwände vom Seeufer hinauf auf über 1000m Meereshöhe. Dazu die komplette Weltelite am Start, aus 45 Nationen setzte sich das gesamte Teilnehmerfeld zusammen. Ein perfektes Setup um die letzten Reserven der langen Trailsaison zu verbraten.


Schwül ist es am Start, mir drückt es bereits im Stehen den Schweiss aus den Poren. Oder ist es doch die Anspannung, die Vorfreude auf die kommenden 4 Stunden? Es ist das letzte Rennen des Jahres und es wird eines der Besten werden...


Übermütig schiessen wir durch die engen Gassen Limones, immer wieder staut es, Gedrängel, doch ohne Ellbogentaktik, es ist vielmehr die Freude, die Renneuphorie, die in diesen Momenten ein Raunen durch die Menge schickt. Jeder will weiter, schnell weiter. Dann beginnt der lange Anstieg, über 1000Hm wollen in einem Rutsch verschlungen werden, ein schmales Steiglein aus Geröll macht den Anfang. Der Stau begleitet uns bis zur zweiten Labstation, ab hier erreiche ich endlich das Teilnehmerfeld, das meinem Niveau entspricht. Flüssiges Trailrunning folgt, im Auf und Ab, über Stock und Stein und abermals 500 Steigungshöhenmeter.


Am schmalen Grat pfeifft uns der Wind um die Ohren, dicke Nebelschwarten surren durch die Luft. Ein gespenstiges Ambiente, das wir vor lauter Anstrengung und Fokussierung auf die technisch anspruchsvollen Weglein kaum wahrnehmen. Noch rasseln die Kilometer nicht, mühsam müssen sie erkämpft werden bei so viel Steigung und stetigem Auf und Ab. Es beginnt zu Regnen, Starkregen. Im Nu verwandeln sich die Trails in rutschige Wurzel-Matsch-Pisten. Viele müssen hier bereits büssen, ohne Stöcke und mit teils schlechtem Profil, stolpern sie die steilsten Passagen auf ihrem Hintern hinab. 


Ich erinnere mich an einen Italiener, der auf vielleicht 20Hm fünfmal hinfiel und aber genauso schnell wie ich unten war, weil er fast die gesamten 20 Höhenmeter mit dem Kopf voran, mit dem Kopf nach hinten, auf dem Rücken, auf dem Gesäss,...nach unten purzelte. Aufraffen, ein Schritt und dasgleiche Spiel begann von vorne. Viele Verletzte und von Krämpfen gepeinigte Sportler begegneten uns über den Verlauf der gesamten Strecke. Ein wirklich forderndes Rennen!


Harry berichtete mir nach dem Lauf, dass sie teilweise zusammengearbeitet haben. Wenn dem Vordermann die Füsse durchdrehten, haben die Hinteren ihn am Gesäss gestützt und umgekehrt. Mit vereinten Kräften wurden so manche Wegabschnitte passierbar gemacht. Der Regen hörte zum Glück auf, doch die Trails blieben anspruchsvoll: steil, steinig oder erdig, wurzelig, schmal, geil. Und irgendwie nahmen sie auch kein Ende. Hinter jeder Kurve folgte nochmals ein kraftraubender Anstieg.


Schliesslich gings dann aber doch grösstenteils bergab, ein Abschnitt blieb mir besonders in Erinnerung. In sanftem Gefälle mit einem Untergrund aus softem Gras-Laubgemisch und vielen Serpentinen explodierte ich förmlich nach unten. Vielleicht trug auch das zuvor eingenommene Cola an der Verpflegungstation dazu bei, aber ich fühlte mich auf diesen Metern unschlagbar, mit Beinen ausgestattet von einem anderen Stern. Ich weiss nicht mehr wie viele Teilnehmer ich dort überholte, ich donnerte einfach mit Vollspeed nach unten begleitet von Ausrufen der Freude. Anscheinend hatte ich den ein oder anderen angesteckt beim Überholen, auch sie schalteten plötzlich auf den Vollgasmodus und gemeinsam flogen wir durch die Serpentinen.


Irgendwo war ich dann wohl doch etwas zu rabiat unterwegs, mein Stock brach! Als Dreibein liess ich die letzten 3 steilen Kilometer dann etwas gemütlicher angehen, verletzen wollte ich mich jetzt erst recht nicht mehr, so nahe am Ziel, auch spürte ich die Grenze zum Krampfen nahen. Tempo drosseln war also durchaus angebracht. Im Viererpack joggen wir die letzten Meter an der Seepromenade entlang, mir geht völlig die Kraft aus, Asphalt unter meinen Füssen, der mir das letzte Quäntchen Energie auszuzelt. Dann kommt mir Harry entgegen, begleitet mich für einige Meter Richtung Zielgerade, aber auch er schafft es nicht mehr, mich zu motivieren, ich verliere sogar noch einen Platz. Egal, der rote Teppich naht, der obligatorische Zielsprint, Händeabklatschen mit den Kids, Smile, Atmen, ich muss mich setzen, an der Grenze zum SchwarzwerdenvordenAugen. Gratulationen, Abklatschen, Glücklichsein, Stolz und ein breites, zufriedenes Grinsen bis über beide Ohren.


Einfach nur mega geil!


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