Matterhorn Ultraks 46K

Tom Holzweg berichtet über seine Teilnahme an der Langdistanz des Matterhorn Ultraks, welche auch dieses Jahr wieder zur Skyrunner World Series zählte. Mit einer Zeit knapp über 10 Stunden belegte Tom den 375. Platz overall. Wir gratulieren herzlich zu deinem Finish Tom, war der 46K als zweiter Traillaufwettkampf überhaupt doch ein dicker Brocken!


Auszug aus Tom's facebook Notizen:


Angereist bin ich mit Pascal schon am Freitag mit dem Zug. Wir trafen uns, mit noch einen Kollegen von Pascal (Stefan) am Zürcher HB. Die Fahrt lief zwar nicht ganz planmäßig, aber wir erreichten trotzdem zur geplanten Zeit Zermatt. Wir trennten uns, da Stefan ein anderes Hotel gebucht hatte. Auf dem Weg zu unserem Hotel nach einer Häuserecke sah ich dann das erste Mal in meinem Leben das Matterhorn. Der Anblick ist wirklich sensationell. Es ist vielleicht „DER“ Berg, mit der markantesten Form. Der Anblick sollte uns das ganze Wochenende begleiten… Nach dem Check-In trafen wir uns zur Startnummernausgabe in der Triftbachhalle wieder. Wir schauten noch kurz die Läufer-Expo an und bummelten kurz durch Zermatt. Alle Geschäfte hatten zum 150-jährigen Jubiläum der Erstbesteigung des Matterhorns spezielle Dekorationen. Bei der Startnummer war auch ein Rabattmärkchen für die Bergbahn, falls Angehörige zum Anfeuern auf das Gornergrat wollten. Aus Interesse informierten wir uns, was die Fahrt ohne die 50% denn normal kosten würden. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, waren es für einmal hoch und runter um die 100 € pro Person!! Also absolut kein Schnäppchen. Trotzdem mangelt es Zermatt nicht an ausländischen Touristen…


Pascal und Stefan zeigten zwischendurch immer mal wieder auf die umliegenden Gipfel und nannten Namen, die auch auf dem Streckenprofil vorkamen. Ich versuchte, dies ohne weitere Gedanken unbeeindruckt zu ignorieren. Wenn man unten im Tal steht, ist es fast unmöglich, sich den Streckenverlauf und die dazugehörigen Strapazen irgendwie vorzustellen, vor allem da meine Berglauf-Erfahrung ja sehr begrenzt ist. Genau genommen sollte es nach dem 16 km Engadin ULTRAKS erst mein Zweiter sein…

Im weiteren Verlauf des Tages nahmen wir noch eine üppige Mahlzeit ein und präparierten unser Equipment.


Samstags trafen wir uns um 6:45 Uhr. Gegessen hatte jeder schon im Hotel (auf dem Zimmer wohl gemerkt, wir bekamen ein Lunchpacket, das offizielle Frühstück war uns zu spät). Der Startschuss fiel pünktlich um 7:30 Uhr. Der Weg führte uns am Anfang durch die schmalen Straßen von Zermatt. Viele Hotelgäste standen in ihren Schlafanzügen auf ihren Balkonen und klatschten Beifall. Kaum ließen wir die letzten Häuser zurück ging es auch schon bergauf. Ein steiler Single-Trail in den Wald hinein verursachte einen kurzen Stau, aber die Stimmung war gelassen und entspannt. Nach den ersten drei Kilometern wurde es für knapp zwei Kilometer flach und wir liefen zügig über weichen Waldboden. Dies sollten übrigens die einzigen einfachen Kilometer sein. Durch die Bäume hindurch konnte man immer wieder kurz das Matterhorn erkennen. Das Wetter zeigte sich den ganzen Tag von seiner besten Seite; Wolken sollten erst vereinzelt am Nachmittag zu sehen sein.


Nach weiteren eineinhalb steilen Kilometern erreichten wir die erste üppige Verpflegungsstation Sunnegga auf 2260 m.ü.NN. Ich füllte kurz meine Flaschen nach und aß eine Kleinigkeit. Die Sicht aufs Matterhorn ist atemberaubend. Es folgte der erste kurze Downhill am Leisee vorbei Richtung Findeln. Dieser war mit frischen Beinen gut zu laufen und ich fühlte mich noch gut. Unten ging es über den Findelbach. Es folgte der lange Aufstieg zum Gornergrat, ca. 1100 Hm auf 6 Kilometern. Für mich war es gefühlt deutlich zu steil, da es anstrengender als Treppensteigen war. Das Gelände wurde zwischendurch alpin und ich hielt mich immer mal wieder an einem Stein fest. Oben erwartete uns ein großartiges Panorama; man sah die Eisströme von Gorner-, Monte Rosa-, Grenz-, Schwärze- und Breithorngletscher. Hier sollen 29 Viertausender zu sehen sein; ich hab sie nicht gezählt :-) Skyrunning at ist best. Der Gornergrat liegt auf 3130 m.ü.NN. Viele Touris, den Preisen zum Trotz, hatten den Weg nach oben gefunden und klatschen Applaus. Erwähnenswert ist noch das Observatorium mit den beiden markanten halbkugligen Türmen.


Nach der Verpflegung ging es nun lange bergab, über die Riffelalp (eine weitere Verpflegung auf 2222 m.ü.NN) bis nach Furi. Das Terrain blieb hochalpin: Fels, Schutt und Gebirgswiesen wurden belaufen. Wir liefen am Riffelsee vorbei und passierten einen weiteren kleinen See unterhalb des Riffelhorns. Die Aussicht aufs Matterhorn wechselte, aber die Faszination blieb. Teilweise wurde es richtig technisch: überholen unmöglich, mehr klettern als laufen ist meine Einschätzung. Vor Furi mussten wir noch eine 90 m hohe Hängebrücke über die Gornerschlucht überqueren. Laufen ist hier ausdrücklich verboten. Es wackelte ziemlich, für Menschen mit Höhenangst könnte hier die Schicksalsstelle sein. Mir kamen andere Wanderer entgegen. Ich aß im Gehen gemütlich ein Gel, blieb eher unbeeindruckt. :-)


Nach der Verpflegungsstation Furi auf 1880 m.ü.NN. ging es nun wieder steil bergauf Richtung Schwarzsee. Am Anfang spendeten Bäume noch etwas Schatten, später waren wir dem perfekten Wetter ausgeliefert und es wurde sehr heiß. Ich war mittlerweile doch recht angeschlagen und kämpfte mich nach oben. Wenn man beim Ironman oder Marathon allgemein durch das Wechseln vom Laufen zum Gehen wieder Kräfte sammeln kann, ist dies hier nicht wirklich möglich, außer man legt sich ins Gras. Also ging ich sehr, sehr langsam, aber stetig weiter. Oben am Schwarzsee gönnte ich mir eine etwas längere Pause und verpflegte gut. Ich schnürte die Schuhe neu. Außerdem hatte ich mir extra bis hierher eine leere Flasche mitgenommen, um ab hier mehr Flüssigkeit dabei zu haben, denn es folgte ein langer Abschnitt ohne Verpflegungsstationen. Auf dieser Hütte hatte es sehr viele Wanderer/Touristen und es spielte eine Liveband bei bestem Wetter. Etwas neidisch schaute ich mir das bunte Treiben an. Das Loslaufen fühlte sich alles andere als gut an, wurde aber mit der Zeit wieder besser. Die Hütte liegt übrigens auf 2583 m.ü.NN.


Zuerst ging es wieder lange bergab bis zum Stausee des Zmuttbaches, bevor es auf der anderen Seite wieder nach oben ging. Wir waren mittlerweile noch mal deutlich näher am Matterhorn, sahen es aus einem anderen Winkel. Wir passierten im Aufstieg einen Wasserfall, den sogenannten Arbenbachfall. Oben liefen wir einige Kilometer über Wiesen, eigentlich recht einfach. Meine Beine liefen aber mehr schlecht als recht. Vor der nächsten Verpflegungsstation in Trift mussten wir noch mal sehr steil bergab. Nach der Verpflegung auf 2337 m.ü.NN. lagen „nur“ noch 2oo Hm vor mir, und der lange Downhill ins Ziel nach Zermatt. Dieser hatte es in sich, wie ich fand. Wir schlängelten uns durch Lawinenzäune und mussten immer mal wieder große Stufen hinab meistern. Die Oberschenkel brannten. Mal wieder. Ich weiß eigentlich nicht, ob ich hoch oder runter schlimmer finde :-)


Zum Schluss läuft man parallel zum Zermatter-Ortskern bevor es kurz vor der Zielgeraden richtig in den Ort rein geht. Nach etwas mehr als 10 Stunden erreichte ich ziemlich fertig das Ziel, aber glücklich. Auf der Zielgeraden konnte ich komischerweise echt noch mal gut laufen, flach beansprucht man wohl wirklich andere Muskeln als hoch oder runter. Vielleicht sollte ich das auch mal trainieren :-) Pascal war schon längst geduscht im Hotel, Nico (mein Trainer) erst recht. Stefan kam zwar nach mir ins Ziel, hatte aber Magenprobleme. Herzlichen Glückwunsch allen. Das Rennen kann ich jedem empfehlen. Bei dem Wetter und der Aussicht wohl nur schwer zu überbieten.


Wer Gefallen an Toms Bericht gefunden hat, findet noch weitere von ihm auf seiner facebook-Seite unter: https://www.facebook.com/tom.woodway/notes

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