Rigi Trilogie

von Patricia:

Mit hochwinterlichem Schnee bis in die Niederungen erstrahlt das Hausgebiet in neuem Glanze. Ungeahnte Möglichkeiten, einen Katzensprung entfernt. So lauerte schon länger das Projekt Tripple Rigi in meinem Kopf, wartend auf den richtigen Moment. Rigi Hochflue, Rigi Scheidegg und Rigi Kulm, dazu die Dossenüberschreitung, alles in allem knapp 3000Hm, und das, obwohl wir hier von den Voralpen reden mit Erhebungen bis 1800m.

 

Die Schwierigkeit? Nunja, eine ausreichende Schneedecke im Talboden, da mit dem Startort Lauerz am Lauerzersee auf 460m die Tage gezählt sind, an denen nicht Grasskiing im Vordergrund steht. Ein weiteres Hindernis, die Rigi Hochflue, ein recht alpiner Gipfel zwischen all den gutmütig hügeligen Erhebungen, welcher mit einem steilen, sehr verwachsenen Schattenhang mit Vorsicht genossen werden will. 

 

Tja, und so stand ich kurzentschlossen plötzlich bei der Abzweigung am Gätterli, Hochflue links (eine frische Spur zweier Tourengeher) oder sonnige Autobahn rechts zur Rigi Scheidegg. Windfahnen rund um die steilen Grate der Hochflue, tiefweisse Bäume mit Anraum übersäht und sicher 40cm Neuschnee konnten mich schliesslich nicht abschrecken, der neuen Spur zu folgen. Ich hatte angebissen.

 

Im oberen Drittel dann die Ernüchterung, eingeblasen, steil, teilweise mit Altschneeschicht unter der mächtigen Neuschneedecke. Die beiden Spurer drehten um, gute Entscheidung, denn das, was nun folgte, hatte nichts mehr mit Skitourengehen zu tun. Winterbergsteigen war der bessere Ausdruck, ich kämpfte mich also im grundlos tiefen Schnee die steile mit unzähligen Stauden, Büschen und Bäumen übersähte Böschung weiter hinauf. Eine Spitzkehre vor, zwei Spitzkehren zurück oder so ähnlich, dazwischen viel Gewühle, Gefluche und Verrenkungsübungen beim Drehen der Ski.

 

Selten so abgemüht für 150Hm, doch schliesslich erreichte ich brusttief eingepackt in lockeres Weiss die 20m Eisenleiter, welche hinauf in die Sonne zum Gipfelkreuz der Rigi

Scheidegg führt. Der Eintrag ins Gipfelbuch zeigte, dass ich wohl die erste Skitourengeherin in dieser Saison war. Ein schönes kleines Abenteuer vor der Haustüre.

 

Der Abfahrtsgenuss beschränkte sich auf einige Stücke mit Fell abfahren, am Rand hinunterrutschen und mit Stauden im Gesicht kämpfen, dazu aufpassen, dass man nicht einfädelt. Grosse Klasse.

 

Wie angenehm, als die Sonnenseite der Rigi Scheidegg mich anschliessend herzlich empfing. Und so langsam wurde die Idee der Rigi Trilogie geboren. Vielleicht war es die Euphorie der geglückten Rigi Hochflue Besteigung bei diesen hochwinterlich alpinen Verhältnissen, vielleicht das Zuviel an Sonne, vielleicht der Hochgenuss an Ausblick auf die tiefblauen Seen unter mir. Jedenfalls entschloss ich mich dazu, das Angefangene fertig zu bringen, 

 

Ein breiter, planierter Wanderweg führt zum Klösterli, wo alsdann der Aufstieg zur Rigi Kulm beginnt. Doch leider weit und breit keine Aufstiegsspur, Spurarbeit war also angesagt. Also dröhnte ich mich mit 400Hm Spurarbeit nochmals zu, ein eisiger Wind empfing mich am Masten oben. Wieder stand ich vor einer Entscheidung: nur noch abfahren und in Goldau die Tour beenden (doch wie zurückkehren? Geld vergessen) oder den ganzen Hatscher retour, die Müdigkeit stand mir bereits ins Gesicht geschrieben und die Uhrzeit mahnte zur Eile, wenn ich mit etwas Puffer nicht in die Dämmerung geraten wollte.

 

Die Entscheidung fiel auf Plan B, frei nach dem Motto "wenn schon, denn schon". Auch wenn die Kräfte langsam schwanden, die Gratwanderung von First über Schild und Dossen ist landschaftlich einfach top und entschädigt garantiert für alle Strapazen. Mit dem Vierwaldstättersee im goldenen Abendlicht schlichtweg ein Gedicht! Zu faul war ich bereits die Felle für die kurzen Abfahrten zu demontieren, Straightline im tiefen Powder, irgendwie auch witzig. Und als dann endlich das Gasthaus Burggeist auf der Rigi Scheidegg ins Blickfeld kam, wusste ich, dass ich es schaffen werde. Eine Hammerrunde näherte sich ihrem Ende...

 

 

 

 

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