Alpsteinrunde (Hoher Kasten-Säntis-Ebenalp)

100, ach was, 200 Autos begrüssen uns bei der Talstation der Ebenalpseilbahn. Dass wir an diesem Herbstanfangstraumtag das Alpsteingebiet nicht alleine haben werden, das war uns schon klar...aber solch ein Andrang? Wir tuckern erstmal mit ÖV hinüber nach Brülisau zur Kastenseilbahn, die uns auf den Hohen Kasten mühelos befördert. Das Rheintal zu Füssen, ein wunderbarer Blick nach Süden, zwar etwas dunstig, aber gerade dadurch mit eigenem Charme, öffnen sich vor uns die Vorarlberger und Graubündner Berge. Es reiht sich eine Silhouette an die nächste, Verblauungen in verschiedenen Abstufungen. Eigentlich könnten wir hier schon Verweilen.

 

Doch unsere Runde über die Saxerlücke, Zwinglipasshütte, Rotsteinpass, Säntis, Schäfler bis zur Ebenalp erfordert noch einiges an Anstrengung und Fleiss von uns, wie sich später herausstellen wird. 

 

Zunächst geht es speedig im leichten bergauf/bergab mit nur wenig Höhengewinn und -verlust hinüber zur Saxerlücke. Der Weg verläuft oftmals im Schatten, die speckigen Steine sind nicht nur durch die Nässe glatt und verlangen von Anfang an viel Aufmerksamkeit. Eine frische Brise empfängt uns dort, die durch den Trichter, welche durch die formschönen Kreuzberge und die Lücke gebildet werden, wohl provoziert wird. Der erste längere Anstieg durch das Tal der Roslenalp will bewältigt werden. Wir tauschen ein paar Worte mit dem Chef dort, staunen über die schattig-imposanten Nordwände der Kreuzberge und versuchen durch den Gucker das Fahrradl oben im Riss bei der Birnenformation der abweisenden Wand ausfindig zu machen. Der Roslenalpchef hätte wohl noch einiges zu erzählen gehabt, Klettergeschichten, die einen ganzen Abend füllen können, doch wir müssen schliesslich weiter.

 

Ab dem Mutschensattel wird die Strecke wieder sehr aussichtsreich und gemütlicher. Über sanft-federnde Grasflächen springen wir entlang, die Churfirsten heben sich mittlerweile maraknt von der Umgebung ab. Und dann schiesst plötzlich ein Traumkletterberg hinter der folgenden Kuppe empor, der Altmann mit seinen hellweissen Kalkplatten. Und genau dort unterhalb wartet unser erstes Etappenziel, die Zwinglipasshütte, die uns mit Gemüsesuppe und Sirup zu neuen Kräften verhilft. Ich träume von den Klettereien dort eine Etage höher, vom rauhen, griffarmen Südwandkalk des Altmann. 

 

Erste Ermüdungserscheinungen zeichnen sich ab, Harald kämpft schon jetzt mit Krämpfen in der Wadenmuskulatur, das kann ja noch heiter werden...Im Bereich des Fleckli sonnt sich eine Steinbockherde. Unbekümmert der vielen Wanderer und Kletterer liegen sie gemütlich auf den Graspolstern im gerölligen Gelände und beobachten das Treiben. Und drückt es einige Schweissperlen aus den Poren der Stirn beim folgenden Anstieg auf den Übergang, von wo der weitere Anstieg auf den Säntis schön ersichtlich wird.

 

Steil und mit Drahtseilen gesichert geht es hinab zur Rotsteinpasshütte, welche wir jedoch rechts liegen lassen und gleich weiter den Lisengrat in Angriff nehmen. Auch dieser ist mit einigen Drahtseilversicherungen an den ausgesetzten oder steileren Abschnitten gesichert, Stau bei viel Andrang ist hier definitiv vorprogrammiert. Unsere bereits recht müden Haxn lassen sowieso keinen Weltrekord mehr zu, lieber geniessen wir die sagenhafte Aussicht an den Passagen, wo es staut.

 

Das hässliche Gipfelgebäude des Säntis wird von Karol und Harry schon sehnsüchtig erwartet, Cola, salzige Erdnüsse und Salzletten werden gehamstert und sogleich gemampft. Norbert und ich begnügen uns mit einer Auffüllung der Wasservorräte. Unglaublich, dass bei diesen Temperaturen noch so viel Flüssigkeitsverlust möglich ist, immerhin ist Herbstanfang...

 

Nach Durchquerung des Labyrinthes im Inneren des Säntis, spuckt uns der Berg schliesslich auf der Nordseite aus, wieder geht es über abgespeckte Felsen mit Drahtseilversicherungen hinab. Wir lassen die Girenspitz links liegen und rutschen mit einigen Kurzschwüngen über die letzten kleinen Schneefelder hinab. Vom Blauschnee ist nicht mehr viel übrig geblieben. Danach wechselt das Gestein, sandsteinartige Brocken liegen im Grünen und bilden eine fantastische Atmosphäre im warmen Licht des Nachmittages. Die Zeit ist schon recht fortgeschritten, als wir das Höchnideri passieren und im Öhrli über Schotterreissen hinabdonnern. 

 

Kurz nach dem Lötzlialpsattel bemerken wir, dass die Sonne bereits merkwürdig lange Schatten wirft, der Blick auf die Uhr verrät, dass es bereits 17Uhr ist. Wann fährt eigentlich die letzte Bahn ab Ebenalp und wie lange brauchen wir noch dort hin? Geht sich das überhaupt aus? Welche Optionen haben wir? Der Schäfler mit seiner Hütte am Gipfel schaut noch weit aus, einige Höhenmeter müssten auch noch bewältigt werden. Wir diskutieren und entscheiden uns, die Runde fortzusetzen und ab jetzt keine Pausen mehr einzulegen, dafür das Fortbewegungstempo etwas zu erhöhen.

 

Mit letzter Kraft erreichen wir den Schäfler, von wo das Spiel mit dem Nebel, den tiefstehenden Sonnenstrahlen und Verblauungen der Bergkämme besonders toll zu beobachten ist. Einige Fotografen stehen schon Schlange, wir aber müssen leider weiterziehen. Über einige Kehren und Stufen erreichen wir schliesslich um 5 Minuten vor 18Uhr die Ebenalp. Wenn das mal nicht Timing ist...

 

Danke für den grandiosen spätsommerlichen Tag mit euch Norbert, Karol und Harry. Es war mir eine Ehre! Patricia

 

 

Und noch einige ergänzende Impressionen aus Norberts Handykamera:

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