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Auf den Spuren des Transvulcania, Trailrunning auf La Palma

Am höchsten Punkt der Insel: Roque de los Muchachos

Tag 1:

Es ist trüb und grau. Nebel umschlingt uns im sonst grünleuchtenden Kiefernwald. Der felsige Trail bei Jedey ist mit einem Nadelteppich übersät, der Blick auf die Füsse gerichtet. Doch dann, plötzlich, wir werden geblendet, die Nebeldecke reisst auf. Wow. Das ist La Palma, Sonne, feine Temperaturen und ein klarer Blick bis zum unendlichen Horizont. Der ungeplante Auftaktrun beschert uns mit ersten Glücksgefühlen und gibt einen Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten 4 Tagen dort auf der "Isla Bonita" erwarten wird. Perfekte Trails in grandiosem Ambiente bei angenehm frühlingshaften Temperaturen.

Tag 2:

DER Berglauf. Vom Meer bis zum höchsten Punkt der Insel, dem Roque de los Muchachos. Fette 2600 Höhenmeter und 18km, immer leicht ansteigend und laufbar, ein echter Skyrun eben. Bei schweisstreibender Gicht starten wir am Strand von Puerto Tazacorte, einem netten kleinen Ort mit reichlich Leben an der überschaubaren Strandpromenade. Einige wenige Touristen wagen noch den ersten Anstieg über den gepflasterten Zickzackweg hinauf zum Aussichtspunkt el Thime, danach sind wir alleine. Mit der Meeresbrandung in den Ohren treibt es uns das erste Drittel recht flott voran, der Weg des GR131, über den unser Berglauf geht, ist gänzlich ausgeschildert und markiert. Wir lernen schon bald, dass ein aufgemaltes Kreuz an einem Stein oder sonstigen markigen Gegenstand Sackgasse bedeutet. 

 

Mit zunehmender Höhe tauchen wir in den Nebel ein, der sich in der Regel täglich auf La Palma bildet. Teilweise so schlagartig, dass es fast unheimlich erscheint. Da sitzt du beim Frühstück und diskutierst noch, wohin es heute gehen soll, kaum ist der letzte Schluck Kaffee getrunken, hängt bereits auf 800m die zähe Nebeldecke und macht den gerade eben geschmiedeten Plan schon wieder zu Nichte.

 

Wie in den Alpen. 4 Grad Celsius zeigt das Thermometer. Es stürmt. Noch vor 2 Stunden lief uns die Brühe in der dunstigen Luft von der Stirn. Krass dieser Wechsel! Und wie sich der Anstieg zieht. Aber kein Wunder, so früh in der Saison 2600Hm easy wegziehen zu wollen, das ist dann halt doch sehr ambitioniert...

Tag 3:

 

Die Caldera. Ein Nationalpark, der sehenswert ist und Abwechslung in das Traillaufen auf La Palma bringt. Im Prinzip gibt es 2 Ausgangspunkte, um in die Caldera zu gelangen, wir entscheiden uns für den westlichen Eingang, weil es dort weniger Besucherandrang gibt. Die Zufahrt ist nämlich geregelt, man muss sich vorab im Internet anmelden und einen Platz reservieren. 

Im Bachbett entlang rennen rennen wir über weichen Kies und springen über sperrige Blöcke, ab und an wechselt der Wanderweg in den Hang hinein, ein waches Auge für die Markierungen zu erkennen von Nöten. Im Zentrum der Caldera liegt ein Campingareal mit Informationszentrum, kleine Badegumpen laden zur Pause ein. Ausserdem lassen sich hier auch gut die Wasservorräte wieder auffüllen. Im Gegensatz zu den anderen Läufen, wo Durst und Wassermangel ständiger Begleiter ist.

Je tiefer wir in die Caldera eintauchen, desto mehr entfaltet sie ihren wahren Reiz. Eingekesselt, die hohen Wände zerfurcht und mit unzähligen Grätchen und Türmchen gespickt, gelangen wir schliesslich über einen sperrigen Trail hinauf zum Ausgangspunkt für die meisten Wanderer, die die Runde in umgekehrter Richtung für gewöhnlich absolvieren und sich an diesen Punkt mit dem Taxi chauffieren lassen. Ein paar Meter auf Asphalt folgen, wir sind fast froh darüber, können wir es doch einfach mal ohne Aufmerksamkeit und ständige Konzentration laufen lassen. Doch auch der letzte Teil hinab zum Parkplatz bietet durchaus nochmals lässige Trails und schöne Ausblicke, obwohl im Prinzip die Fahrstrasse nicht weit wäre...

 

20km, 1000Hm

Tag 4:

Das Highlight, die Ruta de los Vulcanos. Da sind wir uns einig, was wir heute erlebt haben, das ist fast nicht in Worte zu fassen. Diese Farben, dieser Untergrund, diese Harmonie des Ganzen. Ok, Patricia hatte zum Schluss schwer mit ihren wund gelaufenen Füssen zu hadern, aber für diesen fantastischen Lauf muss man halt mal auf die Zähne beissen.

Wir starten in El Pilar, das mit dem Auto und Taxi erreichbar ist, nicht aber per Bus. Die 800Hm Steigung erwarten uns gleich zu Anfang, ab dem Vulkan Martin geht es bis zum Leuchtturm von Fuencaliente nur noch bergab. 26km stehen auf dem Programm, herrliche Laufkilometer über Lavasand, die abwechslungsreicher nicht sein könnten. Roter Boden, dahinter grauer Boden und dazwischen leuchtendgrüne Bäumchen, zusammen mit dem stahlblauen Himmel und dem Nebelmeer unter uns ein unbeschreiblich reizvoller Anblick.

Auch wenn vom sportlichen Wert her die Route vom Meer weg anzugehen mehr hergeben würde, als mit unserem Start vom Inselinneren hinab zum Faro de Fuencaliente, landschaftlich ist sie mit Start in el Pilar sicherlich noch eindrucksvoller. Was gibt es schöneres, als wenn die Muskeln erschöpft und die Zehen wund gelaufen sind, man schliesslich das Meer erblickt, die Brandung hört und die Gicht förmlich riecht? Mit dem Gesicht stets der Sonne entgegen und richtig geile Downhills im Sand hinabbretttern, das kann schon was!

 

26km, 800Hm bergauf , 2200Hm bergab

Tag 5:

Simon verlässt uns, rasten ist angesagt. Denn der GR131 will noch mit dem letzten Abschnitt der Ruta de la Cresteria vollendet werden. Aber erst morgen. Müde Muskeln, geschwollene Füsse und aufgescheuerte Zehen verlangen nach Pause. Eine Inselrundfahrt, bequem im Auto, kommt da wie gelegen.

La Fayana sind Naturschwimmbecken im Norden der Insel. Die stürmische See mit ihren riesigen Wellen liess an unserem Rasttag zwar keinen Badegang zu, dafür mutete die Landschaft um so gewaltiger an, stundenlang könnten wir den hineinkommenden Wellen zusehen, wie sie sich auftürmen, überschlagen und schliesslich als weisses Inferno auf den Strand auflaufen.

Und weil wir am ersten Tag bei unserem Skyrun auf den Roque de los Muchachos keine Aussicht hatten, holten wir es heute an diesem Traumtag ohne Nebel nach. In Millionen Kurven schlängelt sich die Strasse auf 2400m hinauf, ein Traum für jeden Rennfahrer, ein Albtraum für manchen Touristen...

Tag 6:

Ruta de la Cresteria. Der alpine Wegabschnitt auf dem GR131.

Wieder geht es los in El Pilar. Es ist bereits halb eins, aber irgendwie sind wir heute morgen nicht in die Gänge gekommen. Egal, das Wetter ist ein Traum und vor Eintreffen der Dunkelheit sollten wir leicht das Ende beim Roque de los Muchachos erreicht haben. Ein flowiger Trail, nicht gerade von grandioser Schönheit, aber um Meter zu machen, bringt den Läufer oder Wanderer an das Ende der Forststrasse, wo die Natur schlagartig wechselt. Lichter Kiefernbestand wechselt mit felsigem Untergrund. Kurze Anstiege, abwechslungsreiches Gelände, in Summe geht es aber stetig hoch, was sich in den langsamen Kilometerzeiten wiederspiegelt. Hier oben entlang der Gratkante können wir immer mal wieder schöne Tiefblicke in die Caldera einfangen, wo wir 3 Tage zuvor herumgerannt sind. Die Dimensionen der mächtigen zerklüfteten Wände kommen nun so richtig zur Geltung. Wir stossen auf einige Wanderer, sogar eine Bikergruppe kommt uns entgegen. Was etwas zermürbend auf das Gemüt wirkt ist die Tatsache, dass die astronomischen Kuppeln, die den höchsten Punkt ziieren, nicht so richtig Näherkommen wollen. Auf die nächste Kuppe folgt eine weitere, danach ein Einschnitt und wieder ein Aufschwung. Das Terrain wird auch zunehmends felsiger und etwas öder, die Mondlandschaft lässt grüssen. Auch wenn der Ausblick phänomenal ist, uns stehen die 5 Tage Trailrunning ins Gesicht geschrieben. Ein krönender Abschluss für die Trailwoche La Palma, der am höchsten Punkt gipfelte....

 

26km, 1800Hm bergauf, 800Hm bergab

Eins steht jetzt schon fest, wir kommen wieder. Aber nächstes Mal mit euch ALLEN, mit der trail-maniacs CREW!

 

 

Infos:

 

  • Anreise:

Direktflüge von Zürich oder über Madrid, Flugzeit 4 1/2h Stunden. Am Flughafen Mietwagen ausleihen ist fast Pflicht. Es gibt zwar ein Busliniennetz auf La Palma, viele Ausgangspunkte sind aber nicht mit dem Bus zu erreichen. Per Anhalter (meistens deutsche Touristen) oder Taxi ist sonst auch noch eine Möglichkeit für den alternativen Transfer.

 

  • Unterkunft

Wir hatten in Todoque ein Ferienhaus gemietet. Wer auf dem GR131 und in der Caldera rennen möchte, sucht sich am besten etwas rund um Los Llanos, El Paso, Todoque, Tazacorte im Westen der Insel. Für einen Run im Norden oder Osten kann man dann ja extra einmal hinfahren...

 

  • Strände

Auf La Palma gibt es nicht die typischen weissen Sandstrände, es gibt nur dunkle, schwarze Buchten und wenige kleine Strände. Nicht unbedingt das Badeparadies, aber wir sind ja zum Laufen da;-)

 

  • Verpflegung

gute Fischrestaurants gibts in Puerto Naos und am Puerto Tazacorte. Ansonsten essen die Kanaren recht viel Fleisch mit wenig Beilage. In den Supermärkten gibts ziemlich viele deutsche Import-Produkte.

 

  • Sonstiges

Die Wanderwege sind sehr gut markiert und ausgeschildert, eine Wanderkarte zum Planen der Abenteuer aber Pflicht. Nationalparkbestimmungen und Parkregelungen für die Caldera beachten. Taxi fahren recht teuer (Faro Fuencaliente - el Pilar: 58€). Ausreichend Flüssigkeit mitnehmen, ausser in der Caldera gibts nirgends Wasser unterwegs. Durch den sandigen Boden und die warmen Temperaturen gibts leicht Blasen an den Füssen.

 

 

 

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