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Trailrunning auf Mallorca, Tramuntana Gebirge

ein Erlebnisbericht von Simon Werner und Monika Tasic

 

Tag 1

Nach einem kurzweiligen Flug von Zürich nach Palma de Mallorca schnappen wir uns ein Taxi (Taxifahrt ca. 50 €) um in unser Basislager nach Port de Soller zu gelangen. Wir haben uns bewusst gegen einen Mietwagen entschieden. Zwar wird es mit einem Taxi teurer; wir bleiben aber gleichzeitig flexibler bei der Routenplanung.

Das Städchen Port de Soller liegt schön gelegen in einer Bucht versteckt, umgeben von den Bergen der Serra de Tramuntana und genau im Herzstück des Weitwanderweges GR 221 «Route der Trockensteinmauern». Von dort aus lassen sich viele Teilstücke des GR 221 und auch andere Wege erkunden.

Nach dem Einchecken im Hotel ging es auch schon auf eine kurze Runde hoch zum Leuchtturm und weiter über einen Trail entlang der Küste, teils sandig und doch wieder felsig. Was für ein toller Trail, und wir erhalten einen ersten Eindruck, was uns die nächsten Tage erwarten wird. Wie schwierig die Orientierung ist, durften wir gleich am ersten Tag spüren. Ein Weg, der auf unserer Karte eingezeichnet war, konnte vor Ort nicht ausfindig gemacht werden. Nur Dank Brotkrümelnavigation meiner Sportuhr fanden wir den Weg auf unseren ursprünglichen Trail wieder und es ging auf gleichem Pfade, bei dem uns doch das ein oder andere Mal die Hände zur Unterstützung dienten, zurück ins Hotel. 

10.4km/ +/- 330 hm

Tag 2

Gut gekräftigt nach einem tollen Frühstücksbuffet und chlorschmeckendem Kaffee ging es heute auf das Teilstück vom GR 221 Soller – Font des Noguer. Leider sind öffentliche Verkehrsmittel auf Mallorca eher rar. Die Fahrpläne vor der Hauptsaison im April werden zusätzlich reduziert und auf wenige Fahrten beschränkt. Dafür sind die Hotels günstiger. Gerne wären wir das Teilstück von Soller zur Font des Noguer hochgelaufen. Da aber kein Bus fährt (erst ab April), entschieden wir, uns mit dem Taxi zum Wanderparkplatz hoch fahren zu lassen. Oben angekommen, stellen wir fest, dass dort ganz schön viel los ist. Wahrscheinlich gäbe es hier auch gute Möglichkeiten per Anhalter wieder zurück zu gelangen. Da noch genügend Zeit vorhanden war, entschieden wir, noch den Gipfel Puig de sa Font mitzunehmen. Dazu folgt man erst der Alternativroute vom GR 221 in Richtung pas Llis. Nach dem kurzen steilen Anstieg zweigen wir auf ca 900 m vom Weg ab und folgen den Steinmännchen und den Fusspuren. Dort ist gut zu erkennen weshalb der GR 221 Ruta de Pedra en Sec (Route der Trockensteinmauern) genannt wird. Ein gutes Auge sowie Orientierungssinn sollten mitgebracht werden. Schliesslich wurde die kurze, aber einfache Kraxelstelle doch noch gefunden und wir hatten vom Puig de sa Font (1071 m) einen tollen Ausblick auf den Stausee Embassament de Cuber, sowie auf die tolle Landschaft der Serra de Tramuntana mit dem höchsten Berg der Insel, dem Puig Major (1436 m), auf welchem sich heute leider eine Militärbasis befindet. Nach einer kurzen Pause ging es auf dem gleichen Weg retour, zurück zu den vielen anderen Wanderern auf den GR 221 - vorbei am See, den wir gerade eben noch von oben gesehen haben auf langem Abstieg nach Soller. 

Auf einem flachen, gut laufbaren Stück bestaunten wir die tolle Landschaft. So auch auf dem ehemaligen Pilgerpfad Cami d’es Barranc, einem steilen mit Steinen gepflasterten Weg durch das Tal Barranc de Biniaraix, wo sich uns eine grandiose Aussicht durch den Talkessel nach unten auf Soller bis zum Meer bot. Schön schlängelt sich der Weg nach unten, später durch viele mit Olivenbäumen besäumte Terrassen, bis wir gute 800 Höhenmeter später das kleinen Dörfchen Biniaraix erreichen und weiter in Richtung Soller laufen. Nachdem wir uns auf dem Placa de Sa Constitucio mit einer Glace gestärkt hatten, gingen wir das restliche kurze Stück auf dem GR 221 bis nach Port der Soller und genossen am Abend den Sonnenuntergang über der Bucht. 

21.2 km7 +560m/-1315m

Tag 3

Heute sollte es gemütlicher werden. Wir wollen ein wenig die Pfade rund um  Port de Soller erforschen. Das «gemütlicher» wurde schnell spannender als gedacht. Geplant war der Gipfel Puig de Balitix. Mit 580 m eher unscheinbar, wirkte dieser daher gut machbar. Leider mussten wir schnell feststellen, dass der geplante Weg über Privatgelände führt. So liefen wir weiter, mit Blick auf die kleine Nachbarinsel s’Illeta, bis wir plötzlich vor einem grossen Eisentor standen. An einem kleinen Café erkundigten wir uns nach dem Weg. Hier wurde uns gesagt, man dürfe über das Tor klettern. Also versuchten wir auf Umwegen das Stück zu umgehen. Leider kamen wir kurze Zeit später zu einem weiteren Tor und wurden auch schnell von bellenden Hunden empfangen. Wie sich später herausstellte, waren diese zum Glück im Zwinger eingesperrt. So ging es wieder etwas nach unten und wir folgten einem schönen Trail, zwischen Fels und Meer, bis zur Felslücke Coll de Cala Ferrera. Meist ist der Weg gut zu gehen, etwas Trittsicherheit und Schwindelfreiheit ist aber von Vorteil. So geht es doch hier und da direkt neben dem schmalen Pfad steil runter bis zum Meer. An zwei/drei Stellen müssen auch die Hände zu Hilfe genommen werden, was an dem rauen spitzigen Fels eher etwas unangenehm ist. 

Nach kurzer Rast und Kartenstudium in der Col de Cala Ferrara entschieden wir den gleichen Trail wieder zurück zu rennen, da der weitere Weg nicht gut zu erkennen war und es bis zur nächsten Ortschaft doch einige Kilometer gewesen wären. So ging es auf dem schön geschlängelten Küstentrail zurück und wir machten schon grosse Pläne für das bevorstehende Eisessen in Port de Soller. Gerade als wir wieder an der Stelle vorbei kamen, wo es zum Puig de Balitix geht und das "Durchgang Verboten" Schild uns anlächelte, kam eine ganze Gruppe inklusive Wanderleiter den Weg hinunter, der auf unsere Nachfrage wegen dem Schild lachte und abwinkte. Kurz Wasservorräte gecheckt und los ging es hinauf. Der asphaltierte Weg wurde schnell zu einem steilen Anstieg im Geröllhang und  kurze Zeit später lachte uns eine ausgesetzte Kraxelei an. Nachdem diese überstanden war, fanden wir uns in einer unglaublichen felsigen Landschaft mit einem wunderbaren Ausblick wieder. Oben haben wir noch einheimische Wanderer angetroffen, die uns versicherten, dass der Weg auf der anderen Seit bequemer zu gehen ist. Nach ein paar weiteren Höhenmetern und tollen Eindrücken standen wir nun endlich auf dem Gipfel vom Puig de Balitix. Die Anstrengung hat sich definitiv gelohnt. Zurück wählten wir den einfacheren Zustieg. So stossen wir bald, nachdem wir uns nochmal verlaufen hatten und einmal mehr vor einem verschlossenen Tor standen, auf einen markierten Wanderweg in Richtung Soller. Gestärkt nahmen wir dieses Mal aber die historische Tram zurück nach Port de Soller. So wurde schnell aus der "gemütlichen" Tour ein abenteuerlicher toller Trailun auf versteckten Wegen, die zeigen, wie wild Mallorca sein kann. 

21.5 km/ +1100m/-1050m

Tag 5

Tag 4 Ruhetag! Also weiter zu Tag 5: Heute sollte es auf dem GR 221 von Valldemossa über Deia nach Port de Soller gehen. Mit unter einer der schönsten Abschnitte des GR 221. Wir staunten nicht schlecht, als wir zur Bushaltestelle kamen und sich, trotz zeitiger Ankunft, schon eine grosse Gruppe Wanderer versammelt hatte, so dass sogar 2 Busse zum Einsatz kamen. Nun ging es auf der Küstenstrasse entlang über Deia nach Valldemossa und wir konnten schon in etwa erahnen was es heute alles zu sehen geben wird. 

Zwischen Valldemossa und Deia ist der GR 221 eher schlecht ausgeschildert. Trotzdem haben wir den Weg gut gefunden. Nach einem steilen Anstieg hoch zum Puig Gros (908m) rannten wir über den steinigen Reitweg des Erzherzogs Ludwig Salvator. Ein atemberaubender Blick über die halbe Insel tat sich uns auf, bevor es zum Abstieg in Richtung Deia ging. Achtung: Steinmännchen und den Beginn des Abstieg nicht verpassen! Steil durch einen Steineichenwald, schlängelt sich der steile sich an eine Felswand angeschmiegte Trail immer weiter nach unten, der später in Terrassen von Obstanpflanzungen übergeht nach Deia. Auf den Terrassen gehen viele kleine Wegchen ab. Immer seinem Gefühl und den Steinmännchen folgen! In Deia wird man überrascht von einer Schaar Rennradfahrern, die hier ihre Mittagspause machen. Ab Deia ist der GR 221 wieder sehr gut markiert, aber auch sehr beliebt zu wandern und man trifft wieder viele Weggefährten. Abwechslungsweise geht der Weg erst nach unten, dann wieder nach oben, immer mit schöner Landschaft und tollen Ausblicken weiter nach Port der Soller. Unterwegs kann man in einem kleinen privaten Garten einen super leckeren frisch gepressten Orangensaft geniessen. Die letzten Kilometer vergingen wie im Flug und so erreichen wir auf schönen Trails und nach tollen Bekanntschaften mit Tieren den Leuchtturm bei Port der Soller. Nachdem die letzten Höhenmeter nach unter bewältigt wurden, durften - na klar -  ein Fussbad im kalten Meer und ein Eis zur Belohnung nicht fehlen. 

25.2km/ +954m/-1343m

Wer jetzt Lust bekommen hat Mallorca als seine nächste Trailrunningurlaubsdestination festzulegen, der sollte noch einen Blick auf diese Seite werfen, dort finden sich weitere spannende Trailrunningvorschläge und Abenteuer, die es auf Mallorca zu erleben gibt. Mallorca, perfekt für Aktivurlaub, super von allen Flughäfen das ganze Jahr über zu erreichen und definitiv mehr als nur Ballermann...

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