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Snowrun Faulhorn: von First über Faulhorn, Bussalp hinab nach Grindelwald

Ladies FIRST

 

Mit einem schwungvollen "die Gondel ist doch eh für 6 Personen"springen wir eine nach der anderen in die kleine Kabine hinein. Als wir bereits kuschelig eng aneinander gereiht auf der schmalen Sitzbank sitzen, brechen wir in Gelächter aus: wir sitzen zu siebt in der Gondel. So wie der Tag so lustig beginnt, so wird uns die ausgelassene Atmosphäre noch länger für heute begleiten. Ist es die Höhe, die unsere Birne nicht mehr ernsthaft denken lässt oder ist es die kuriose Situation, dass wir einen Hahn im Korb haben? 4 schnatternde Gänse und mittendrin Hari vor atemberaubender Eiger-Kulisse. Kitschiger könnte der Ausblick, als wir an der Station First hoch über Grindelwald aussteigen, kaum sein. Die Landschaft ist nach einer 3-wöchigen Phase des "Grand Bleu" frisch angezuckert, Windfahnen zieren die hohen Gipfel, die Sonne scheint ungetrübt und lässt den Pulverschnee wie eine Kristallwiese erleuchten. Vom Skigebietstrubel sind wir rasch weg, der frisch präparierte Winterwanderweg führt uns mit kleinen Steigungen Richtung Bachsee, dem Instagram-Highlight von First. 

 

Wir freuen uns wie kleine Kinder über den frischen Schnee, rennen mit einem Affenzahn die kurzen Downhillpassagen bergab um kurz darauf prustend, fast überschlagend, mit grossen Schritten im Flacheren auszulaufen, bevor der nächste Anstieg die Waden gehörig aufpumpt. Auch wenn der Winterwanderweg frisch präpariert ist, wir sinken mit jedem Schritt ein wenig ein. Abdruckpunkt? Fehlanzeige. Das kostet Energie. Zum Glück müssen wir heute "nur" 600Hm bewältigen. Wir sind einstimmig davon überzeugt, mit unserer downhillorientierten Route die bessere Wahl getroffen zu haben.

 

Je höher wir kommen - das Faulhorn ist immerhin 2681m hoch, nebenbei angemerkt, für den Hochwinter eine stattliche Höhe für einen Trailläufer, desto schneidender wird der Wind. Der Temperatursturz der letzten Nacht kriecht uns Schritt für Schritt in die Glieder. Irgendwann kämpfen wir uns nur noch durch Schneeverwehungen, den Kopf dem Wind abgewandt und stur zum Boden blickend, bis der gespurte Wanderweg unter dem letzten Aufschwung zum Gipfel des Faulhorns schlagartig zu Ende ist. Es brauch nicht langer Überzeugungsarbeit. Ganz klar, wir verzichten auf den Gipfel und bringen uns lieber in Sicherheit. Bei diesen Minus-Temperaturen in Kombination mit dem starken Wind sind Erfrierungen durchaus möglich und als Trailläufer können wir keine grossartigen Wunder aus unserem Laufrucksack zaubern. Dickere Handschuhe, die Primaloft, that's it. Und ab geht die Post nach unten.

 

Mit gefrorenen Zehen fühlt sich der Downhill anfangs wenig nach cruisen an, doch bereits nach wenigen Höhenmetern weiter unten, der Wind hat spürbar nachgelassen, kehrt die Freude an dem zurück, was wir am meisten lieben: DOWNHILL Action. Mit gut durchbluteten Gliedmassen lassen wir es krachen. FIRSTline auf dem noch unbetretenen Wanderweg. Die Füsse überschlägt es uns, gefühlt krachen die Fersen nicht zum Gesäss, sondern höher, mindestens auf Kreuzhöhe ist ihr Umkehrpunkt, um danach 5m weiter vorne im weichen Schnee zu landen und erneut in die Lüfte katapultiert zu werden. Gelächter, Gejuchze. Wir sind im Himmel, nein besser, wir schweben über den Wolken. Schwerelos, dieser Downhill ist vom Feinsten!

 

Erst auf der Bussalp zügeln wir das Tempo und rollen ein, pünktlich zu Kaffee und Kuchen. Als Dessert eine Portion Pommes und in kleinen Häppchen wird das benachbarte, berühmte Lauberhornrennen am Bildschirm übertragen. Die todesmutigen Weltcupfahrer brettern die Piste hinunter, das kommt uns irgendwie bekannt vor, nur nicht mit Skiern. Dieser Downhill vom Faulhorn hinunter zur Bussalp ist ganz ähnlich, nur mit profilierten Goretex-Schuhen: Vollgas und ohne Hirn, was der Motor eben hergibt...

 

Monika, Sarah, Isabel, Patricia und Hari

Infos:

First - Faulhorn - Bussalp - Grindelwald: 19,4km ; 600Hm (up)/1800 (down)

Grindelwald First 16CHF mit GA/Halbtax

Auf der Bussalp unbedingt die grossen Aprikosen- bzw. Zwetschenkuchen essen! Hausgemacht und hammermässig gut!

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