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TRE Trail Run Einsiedeln 2020

 

Schneegestöber

Kaum die eigene Hand weit sehen am Vortag noch die Streckenmarkierer oben bei der Druesberghütte, wo der 53K hindurchführen wird. Schneegestöber, Whiteout. Uffff. Das kann ja heiter werden. Ein kommerzieller Veranstalter hätte dementsprechend den Wettkampf absagen oder die Strecke völlig ins Flache verlegen müssen. Da der TRE aber von Läufern für Läufer ins Leben gerufen worden ist und der Spirit dahinter an die Eigenverantwortung appelliert, können wir einen Tag später am Sonntag Morgen um 8:30Uhr nach kurzer Ansprache von Philipp ganz normal auf unsere 3 Distanzen ausströmen. Klar, es wird von der alpinen Variante des 53K abgeraten, weil die Trails noch immer schneebedeckt und vereist sind. Aber man merkt schon gleich beim Start: auch wenn es keine Zeitmessung geben wird, es herrscht Wettkampffeeling. Eine gewisse Anspannung liegt in der Luft, Vorfreude auf die bevorstehenden Stunden in der Gemeinschaft Gleichgesinnter. Vorfreude auf das Unbekannte, das Abenteuer, auf die Einsiedler Trails.

 

Drei, Zwei, Eins - GO

Ein Startschuss ertönt nicht, wir zählen selbst den Countdown und stürmen im noch wolkenverhangenen Einsiedeln beim Parkplatz Steinel los. Massenstart. Alle zusammen. Die Schnellen voraus, die Genussläufer hinter her. Nach dem Motto "minimum essentials - great adventure" ist ein jeder für heute auf sich selbst gestellt, es wird keine Verpflegungsstationen geben, keine Erste-Hilfe-Stationen, der Track der jeweiligen Strecke schimmert über das Display der GPS-Uhr am Handgelenk. Und doch ist die Strecke mit rosa Kreidespray markiert und mit ein paar Fähnchen an den entscheidenden Stellen ausgesteckt. Es gibt keine Vorschriften, keine Zeitnehmung. Ein völlig anderes "Wettkampfformat", wenn man es denn als Wettkampf bezeichnen möchte. Ein Grouprun, der den Gesetzen der Natur folgt.

 

Die Community der Trailrunner ist klein, man kennt sich, es werden trotz Puls von 180 Worte gewechselt. Mal schliesst man zu dem auf, dann wird man wieder von einem anderen bekannten Gesicht überholt und krallt sich dahinter fest. Das Wettkampffeeling ist deutlich zu spüren, aber im positiven Sinne. Es beflügelt uns, die Teilnehmer, die Community. Spornt an unser bestes zu geben, auch ohne Ellbogentaktik. 

 

Schlammparty

Der massive Regen vom Vortag und der zum Teil geschmolzene Schnee verwandeln die drei Distanzen des TRE zu einer einzigartigen Schlammparty. Da bleibt garantiert kein Schuh sauber. Rein in den Matsch, über glitschige Wurzeln und sumpfige Wiesen. Es spritzt, es zischt, es knatscht. Wer mit massivem Stollenprofil heute startete, konnte dies spätestens nach dem zweiten Kilometer schon ausspielen. Vom Untergrund erinnerten weite Abschnitte des TRE eher an ein Fellrace in Schottland. 

 

Zieleinlauf

Schliesslich ist es wieder da, dieses altbekannte Gefühl kurz vor dem Zieleinlauf. Wenn die Glocken ertönen, Anfeuerungsrufe durch die noch immer frische Luft schallen. Auch ohne Ziellinie, ohne Torbogen, ohne Zeitschranke. Ein jeder legt einen Schlusssprint aufs Parkett, jubelt, die Freude und Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Es wird abgeklatscht und gefachsimpelt: beim Anstieg XY hatte es mir die Oberschenkel aufgeblasen, dort bin ich im Matsch stecken geblieben, da war die Aussicht so herrlich als der Nebelvorhang der Sonne Platz machte,...Erinnerungen, Erlebnisse, Abenteuer. Und mit ein wenig Stolz schultern die Zieleinläufer ihren Goodiebag. Einen grossen Dank an dieser Stelle an alle Sponsoren, Helfer und Organisatoren, die uns diesen grandiosen Tag beschert haben!!! Es geht eben auch anders, es muss nicht immer Mainstream sein. Mut zu anderen Wettkampfformaten, Vertrauen in die Teilnehmer und in ihre Eigenverantwortung. Die Erstaustragung des TRE hat gezeigt, es lohnt sich !!!

 

Infos zum Trail Run Einsiedeln https://tre.zircel.com

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